Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW) ist eine strukturelle Herzrhythmusstörung, die durch eine angeborene zusätzliche elektrische Verbindung zwischen den oberen und unteren Herzkammern verursacht wird. Elektrische Signale, die unter normalen Bedingungen einem bestimmten Leitungsweg folgen sollten, gelangen über diesen zusätzlichen Kurzschlussweg sehr schnell weiter und verursachen einen plötzlichen Kurzschluss im Herzen. Zu den Symptomen des WPW-Syndroms gehören plötzlich einsetzendes starkes Herzrasen mit dem Gefühl, das Herz würde aus der Brust springen, Atemnot, Schwindel, Herzflattern in der Brust, Schwäche und Ohnmacht (Synkope). Diese strukturelle Besonderheit im elektrischen Leitungssystem des Herzens äußert sich durch plötzliche und unkontrollierte Anfälle von schnellem Herzschlag (Tachykardie), die die Lebensqualität unmittelbar beeinträchtigen.

Was ist das WPW-Syndrom und welches elektrische Problem verursacht es im Herzen?

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom, kurz WPW-Syndrom, ist ein angeborener Zustand, bei dem zwischen den oberen und unteren Herzkammern eine zusätzliche elektrische Leitungsbahn vorhanden ist, die dort eigentlich nicht existieren sollte. Diese zusätzliche Leitungsbahn wird medizinisch als „akzessorische Bahn“ oder „Kent-Bündel“ bezeichnet. Man kann sich diesen Zustand wie den Verkehrsfluss in einer Stadt vorstellen. Während Autos (elektrische Signale), die auf der normalen Straße fahren, an Mautstellen (Kontrollzentrum) verlangsamen müssen, nutzen die Signale bei Herzen mit WPW-Syndrom eine Abkürzung, die diese Kontrollstellen vollständig umgeht und keiner Geschwindigkeitskontrolle unterliegt.

Dadurch gelangen die Signale unkontrolliert und sehr schnell über diese Abkürzung in die unteren Herzkammern, wodurch diese deutlich früher als normal erregt werden. Dieser Zustand wird als Präexzitation bezeichnet. Wird der Herzrhythmus mit einem Elektrokardiogramm aufgezeichnet, zeigt sich diese vorzeitige Erregung durch ein charakteristisches Muster. Dieses Muster wird als „Delta-Welle“ bezeichnet. Entsteht zwischen dem normalen Leitungsweg und dieser zusätzlichen Abkürzung ein elektrischer Kreislauf beziehungsweise ein Kurzschluss, steigt die Herzfrequenz plötzlich auf gefährliche Werte an. Dieser ständig im Herzen kreisende elektrische Impuls löst Herzrasenanfälle aus, die als supraventrikuläre Tachykardie bezeichnet werden. Manchmal leitet diese Abkürzung den elektrischen Impuls nur von unten nach oben weiter. In solchen Fällen zeigt das Elektrokardiogramm keinerlei Auffälligkeiten, und dieses Krankheitsbild wird als „verborgene akzessorische Leitungsbahn“ bezeichnet.

Am meisten gefürchtet ist die Situation, wenn die Vorhöfe sehr schnell und unregelmäßig schlagen, also Vorhofflimmern auftritt. Während bei einem gesunden Herzen das Kontrollzentrum diese schnellen Impulse filtert und die Herzkammern schützt, gelangen sie beim WPW-Syndrom über die Abkürzung direkt in die unteren Herzkammern. Wenn die Herzkammern versuchen, mehrere Hundert Mal pro Minute zu schlagen, verlieren sie vollständig ihre Fähigkeit, Blut zu pumpen. Dieser Zustand kann sich zu einem lebensbedrohlichen Kammerflimmern entwickeln. Daher sind eine frühzeitige Erkennung und die richtige Behandlung von entscheidender Bedeutung.

Mit welchen Symptomen zeigt sich das WPW-Syndrom bei Säuglingen?

Das Säuglingsalter gehört zu den schwierigsten Phasen für die Diagnose von Herzrhythmusstörungen. Wenn ein Säugling Herzrasen verspürt, kann er weder Brustschmerzen noch das Gefühl eines sehr schnellen Herzschlags sprachlich ausdrücken. In dieser Altersgruppe äußern sich die Symptome meist durch sehr allgemeine und irreführende systemische Beschwerden, die scheinbar nichts mit dem Herzen zu tun haben. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Eltern plötzliche Verhaltensänderungen ihres Babys aufmerksam beobachten.

Während eines Herzrasenanfalls kann die Herzfrequenz eines Säuglings auf zweihundert bis dreihundert Schläge pro Minute ansteigen. Diese extreme Geschwindigkeit bedeutet, dass das sauerstoffreiche Blut den Körper nicht mehr ausreichend versorgen kann. Zu den häufigsten Warnzeichen im Säuglings- und Neugeborenenalter gehören:

  • Blässe
  • Unruhe
  • Reizbarkeit
  • Tachypnoe
  • Zyanose

Tachypnoe bedeutet in dieser Liste eine ungewöhnlich schnelle Atmung des Säuglings, während Zyanose eine bläuliche oder gräuliche Verfärbung insbesondere der Lippen, der Haut und der Nagelbetten beschreibt. Darüber hinaus treten bei Säuglingen häufig eine schnelle Ermüdung während des Trinkens und die Verweigerung des Stillens oder Fütterns auf. Das Herz eines Säuglings kann dieser extremen Belastung zwar eine gewisse Zeit standhalten, doch wenn die Anfälle unbemerkt bleiben und über Stunden oder sogar Tage andauern, wird der Herzmuskel erheblich belastet. Mit der Zeit nimmt die Pumpkraft des Herzens ab und das Krankheitsbild kann sich rasch zu einer Herzinsuffizienz entwickeln. Aus diesem Grund ist bei unerklärlicher Unruhe und Blässe eine sofortige medizinische Untersuchung unerlässlich.

Welche Symptome treten beim WPW-Syndrom bei älteren Kindern und Jugendlichen auf?

Mit zunehmendem Alter und einer besseren Fähigkeit, Beschwerden zu beschreiben, wird das klinische Bild wesentlich deutlicher. Ältere Kinder, Jugendliche und Heranwachsende können die Veränderungen ihres Körpers meist sehr genau schildern. Typischerweise beschreiben sie ihre Beschwerden mit Aussagen wie „Mein Herz begann plötzlich, als würde es aus meiner Brust springen“ oder „Es fühlt sich an, als würde ein Vogel in meiner Brust flattern“. Die Anfälle beginnen meist plötzlich und enden ebenso abrupt, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Zu den häufigsten Beschwerden, die der elektrische Kurzschluss in dieser Altersgruppe verursacht, gehören:

  • Herzrasen
  • Brustschmerzen
  • Schwäche
  • Schwindel
  • Schwarzwerden vor den Augen
  • Präsynkope (Beinahe-Ohnmacht)
  • Synkope (Ohnmacht)

Der Begriff Präsynkope beschreibt das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden, verbunden mit Schwarzwerden vor den Augen, während Synkope einen vollständigen Bewusstseinsverlust bezeichnet. Besonders eine Ohnmacht gilt bei Herzrhythmusstörungen als eines der wichtigsten Warnzeichen. Wenn ein Kind während eines Herzrasenanfalls das Bewusstsein verliert, bedeutet dies, dass das Herz so schnell und ineffektiv schlägt, dass die Durchblutung des Gehirns unter einen kritischen Wert absinkt. Da dies ein Hinweis auf wesentlich schwerwiegendere Herzrhythmusstörungen sein kann, ist eine sofortige ausführliche Untersuchung erforderlich.

Manchmal sind die Beschwerden nur sehr schwach ausgeprägt, wodurch Fehldiagnosen begünstigt werden können. Es gibt Fälle, in denen bei Kindern mit ständiger Müdigkeit, leichter Übelkeit und wiederkehrenden Brustschmerzen zunächst kein Herzproblem vermutet wurde. Dass manche Kinder jahrelang völlig unpassende Behandlungen erhielten und die richtige Diagnose erst gestellt wurde, als sie mit einer Herzfrequenz von zweihundertfünfzig Schlägen pro Minute in die Notaufnahme kamen und dort ein einfaches Elektrokardiogramm angefertigt wurde, zeigt, wie heimtückisch diese Erkrankung verlaufen kann.

Tritt das WPW-Syndrom zusammen mit anderen angeborenen Herzerkrankungen auf?

Das Vorhandensein einer zusätzlichen elektrischen Leitungsbahn tritt nicht immer isoliert auf. Bei einem erheblichen Teil der Patienten bestehen gleichzeitig weitere angeborene anatomische Besonderheiten oder Herzerkrankungen. Während der Entwicklung des Herzens im Mutterleib findet ein komplexer Prozess der Zellwanderung und Formbildung statt. Kommt es dabei zu einer Störung, können sowohl die Anatomie des Herzens als auch sein elektrisches Leitungssystem gleichzeitig betroffen sein.

Zu den häufigsten strukturellen Herzerkrankungen, die gemeinsam mit diesem Syndrom auftreten, gehören:

  • Kardiomyopathie
  • Rhabdomyom
  • Ebstein-Anomalie
  • ccTGA (korrigierte Transposition der großen Arterien)

Insbesondere eine Form der Ebstein-Anomalie, bei der die Trikuspidalklappe tiefer als normal auf der rechten Herzseite liegt, steht in engem Zusammenhang mit zusätzlichen elektrischen Leitungsbahnen. Auch familiär vererbte Erkrankungen mit einer ausgeprägten Verdickung des Herzmuskels sowie Defekte der Vorhofscheidewand gehören zu den begleitenden Krankheitsbildern. Gutartige Herzmuskeltumoren im Kindesalter, sogenannte Rhabdomyome, können ebenfalls Ursache therapieresistenter Herzrhythmusstörungen sein.

Das vorzeitig über die zusätzliche Leitungsbahn eintreffende elektrische Signal verhindert, dass sich die Herzwände gleichzeitig und harmonisch zusammenziehen. Wenn sich eine Herzseite früher als die andere zusammenzieht, entsteht eine mechanische Asynchronie. Mit der Zeit kann diese Asynchronie die Pumpleistung des Herzens vermindern und zu einer Erweiterung sowie Schwächung des Herzmuskels führen. Die gute Nachricht ist, dass sich nach einer erfolgreichen Beseitigung der zusätzlichen Leitungsbahn die Synchronität der Herzkontraktion sehr schnell normalisiert und sich die Herzfunktion vollständig erholen kann.

Wie wird das WPW-Syndrom diagnostiziert und welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Bei Verdacht auf ein WPW-Syndrom erfordert die Diagnosestellung in der Regel moderne diagnostische Verfahren und eine stufenweise Untersuchung. Der erste und wichtigste Schritt ist ein Ruhe-Elektrokardiogramm. Dieser nur wenige Minuten dauernde und völlig schmerzfreie Test liefert erfahrenen Ärzten äußerst wertvolle Informationen. Der Nachweis einer verkürzten elektrischen Überleitungszeit und der charakteristischen Wellenform, die durch die zusätzliche Leitungsbahn verursacht wird, bestätigt die Diagnose.

Allerdings arbeitet diese zusätzliche Leitungsbahn nicht immer gleichmäßig. Manchmal leitet sie elektrische Signale weiter, manchmal bleibt sie vollständig inaktiv. In solchen Fällen kann ein einmalig aufgezeichnetes Elektrokardiogramm völlig unauffällig sein. Deshalb werden weiterführende Untersuchungen durchgeführt. Zu den wichtigsten Diagnosemethoden gehören:

  • Elektrokardiographie (EKG)
  • 24-Stunden-Holter-EKG
  • Echokardiographie (ECHO)

Das Holter-Gerät zeichnet den Herzrhythmus über Elektroden auf der Brust des Kindes kontinuierlich über vierundzwanzig oder achtundvierzig Stunden auf. Dadurch können Rhythmusveränderungen erkannt werden, die während des Schlafens, Spielens oder in der Schule auftreten. Die Echokardiographie ist ein Ultraschallverfahren, das mithilfe von Schallwellen die Herzstruktur, die Herzklappen, die Pumpfunktion sowie mögliche begleitende anatomische Veränderungen detailliert darstellt.

Darüber hinaus liefert bei kooperativen älteren Kindern auch ein Belastungstest wertvolle Informationen. Während das Kind auf einem Laufband oder Fahrradergometer trainiert, steigt die Herzfrequenz an. Verschwindet die charakteristische Wellenform im EKG während der Belastung plötzlich, zeigt dies, dass die zusätzliche Leitungsbahn bei hohen Herzfrequenzen keine elektrischen Signale mehr weiterleiten kann. Dies gilt als sehr starkes Zeichen für ein geringes Gefahrenpotenzial der Leitungsbahn und beruhigt die Familie erheblich. Bei Kindern mit Schwindel oder Ohnmachtsanfällen können zusätzlich spezielle Kipptischuntersuchungen durchgeführt werden, um Blutdruck- und Herzrhythmusreflexe zu beurteilen.

Wie werden akute Anfälle des WPW-Syndroms behandelt?

Wenn ein Kind mit einem anhaltenden Herzrasenanfall in eine medizinische Einrichtung gebracht wird, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die eingeleiteten Maßnahmen richten sich vollständig nach dem aktuellen klinischen Zustand und den Vitalparametern des Kindes. Ist das Kind bei Bewusstsein, hat einen normalen Blutdruck und befindet sich nicht in einem lebensbedrohlichen Zustand, besteht das erste Ziel darin, den elektrischen Kurzschluss im Herzen medikamentös zu unterbrechen.

Hierfür wird ein spezielles Medikament sehr schnell intravenös verabreicht. Dieses blockiert das zentrale Reizleitungssystem des Herzens für wenige Sekunden vollständig. Diese kurzfristige Blockade setzt das elektrische System des Herzens gewissermaßen wie einen Computer-Neustart zurück, wodurch das Herzrasen abrupt endet und der normale Rhythmus wieder einsetzt. Wenn auf diese erste Maßnahme keine Reaktion erfolgt, kommen stärkere Antiarrhythmika zum Einsatz. Zu den wichtigsten medizinischen Möglichkeiten zur Beendigung eines akuten Anfalls gehören:

  • Adenosin (bei WPW-Patienten mit Vorhofflimmern kontraindiziert)
  • Amiodaron
  • Esmolol
  • Kardioversion

Wird das Kind bewusstlos, mit nicht messbarem Blutdruck oder im Schockzustand in die Notaufnahme gebracht, bleibt keine Zeit, auf die Wirkung von Medikamenten zu warten. In einem solchen Fall wird unverzüglich unter leichter Narkose eine kontrollierte elektrische Energie von außen auf das Herz übertragen. Diese als synchronisierte elektrische Kardioversion bezeichnete Schocktherapie beseitigt das elektrische Chaos sofort, sodass der natürliche Herzschrittmacher wieder die Kontrolle übernehmen kann und dadurch Leben gerettet wird.

Welche Medikamente werden zur Langzeitbehandlung des WPW-Syndroms eingesetzt und welche sollten vermieden werden?

Nach der Akutbehandlung besteht das wichtigste Ziel darin, weitere Herzrasenanfälle zu verhindern. Zu diesem Zweck erhalten Kinder langfristige vorbeugende Medikamente zum Einnehmen. Bei Säuglingen und kleinen Kindern sind Medikamente, die das Stress- und Erregungssystem des Körpers dämpfen und dadurch Anfälle verhindern, sehr sicher und wirksam. Zu den verwendeten Medikamenten gehören:

  • Propranolol
  • Sotalol

Bei regelmäßiger Einnahme verringern diese Medikamente Häufigkeit und Schwere der Herzrasenanfälle deutlich. Während der Behandlung mit Sotalol ist eine regelmäßige EKG-Kontrolle wichtig, um sicherzustellen, dass andere elektrische Eigenschaften des Herzens nicht beeinträchtigt werden.

Andererseits gibt es bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen eine äußerst wichtige Regel. Einige Medikamente, die bei anderen Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz sehr nützlich sind, dürfen bei Kindern mit diesem speziellen Syndrom keinesfalls angewendet werden. Der Grund liegt in ihrem Wirkmechanismus. Zu diesen gefährlichen Medikamenten gehören:

  • Digoxin
  • Verapamil

Diese Wirkstoffe verlangsamen den normalen Leitungsweg und das Kontrollzentrum des Herzens, beeinflussen jedoch die zusätzliche Leitungsbahn nicht oder können sogar deren Leitungsfähigkeit erhöhen. Beginnt in den Vorhöfen ein sehr schneller und unregelmäßiger Herzrhythmus, gelangen aufgrund der Blockierung des normalen Leitungswegs Hunderte elektrischer Impulse direkt über die zusätzliche Bahn in die Herzkammern. Dies kann zu Kammerflimmern und Herzstillstand führen. Darüber hinaus können einige Medikamentengruppen insbesondere bei Säuglingen unter einem Jahr einen ausgeprägten Blutdruckabfall und eine starke Verlangsamung des Herzschlags verursachen, weshalb die Behandlungsplanung mit besonderer Sorgfalt erfolgen muss.

Wie wird das Risiko eines WPW-Syndroms bei Kindern ohne Beschwerden eingeschätzt?

Eines der sensibelsten Themen in der klinischen Praxis betrifft Kinder, bei denen eine zusätzliche Leitungsbahn im Herzen bekannt ist, die jedoch bislang niemals Herzrasen oder Ohnmachtsanfälle erlebt haben. Das Fehlen von Beschwerden bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Gefahr besteht. Deshalb ist es von großer Bedeutung, im Voraus festzustellen, ob diese bislang unauffälligen Leitungsbahnen später lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen verursachen könnten.

Zur Risikobewertung werden halb-invasive und invasive Verfahren eingesetzt. Bei kleineren Kindern wird meist eine Untersuchung über die Speiseröhre bevorzugt. Da die Speiseröhre anatomisch sehr nahe an den Vorhöfen liegt, kann mithilfe einer dünnen Sonde, die durch Nase oder Mund eingeführt wird, die elektrische Leitungsfähigkeit des Herzens gemessen werden, ohne in ein Blutgefäß einzudringen oder Röntgenstrahlung einzusetzen. Dieses Verfahren wird als transösophageale elektrophysiologische Untersuchung bezeichnet.

Für eine genauere Risikobewertung wird eine invasive elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt. Dabei werden über die Blutgefäße in der Leiste sehr dünne Messkatheter direkt in das Herz eingeführt. Heute werden moderne Systeme verwendet, die ohne Röntgenstrahlung arbeiten und eine dreidimensionale farbige Darstellung des Herzens ermöglichen, um Kinder vor Strahlenbelastung zu schützen. Während der Untersuchung werden Medikamente verabreicht, die die Herzfrequenz erhöhen, um die Belastbarkeit der zusätzlichen Leitungsbahn zu testen. Zu den gemessenen Hochrisikomerkmalen gehören:

  • APERP-Zeit
  • SPERRI-Zeit

Diese Abkürzungen beschreiben Messwerte in Millisekunden, die zeigen, wie schnell die zusätzliche Leitungsbahn elektrische Signale weiterleiten kann. Ist ihre Erholungszeit sehr kurz oder kann sie eine sehr hohe Zahl elektrischer Impulse pro Sekunde an die Herzkammern weiterleiten, bedeutet dies ein erhebliches lebensbedrohliches Risiko. Auch der Nachweis mehrerer zusätzlicher Leitungsbahnen gilt als Hinweis auf ein erhöhtes Risiko sowie auf eine höhere Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens nach der Behandlung.

Wie sollte bei sporttreibenden Kindern mit WPW-Syndrom vorgegangen werden?

Sport ist für die körperliche Entwicklung und die psychische Gesundheit von Kindern von unschätzbarem Wert. Wenn jedoch Herzrhythmusstörungen vorliegen, insbesondere bei Wettkampf- und Leistungssport, ist eine besondere Beurteilung erforderlich. Beim Laufen, Schwimmen oder während eines Wettkampfes erreicht der Adrenalinspiegel im Körper seinen Höhepunkt. Dieses erhöhte Adrenalin sowie die gesteigerte Aktivität des sympathischen Nervensystems können die Herzfrequenz erheblich steigern.

Besitzt ein sportlich aktives Kind eine zusätzliche Leitungsbahn mit hoher Leitungsfähigkeit, kann dieser Adrenalinschub während körperlicher Belastung gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Während bei beschwerdefreien Kindern unter fünf Jahren invasive Behandlungen häufig zunächst zurückgestellt werden können, ändert sich das Vorgehen vollständig, wenn es sich um sportlich aktive Kinder oder Jugendliche handelt, die Wettkampfsport betreiben möchten.

Nach den aktuellen internationalen medizinischen Leitlinien wird Kindern, die an Wettkampfsport teilnehmen möchten, selbst dann, wenn sie bisher niemals Herzrasen hatten, die Katheterablation als bevorzugte definitive Behandlung empfohlen, um das Risiko eines plötzlichen Herzstillstands während Training oder Wettkampf vollständig auszuschließen. Dadurch können junge Sportler ihre Karriere sicher fortsetzen, ohne ihre Gesundheit zu gefährden oder ständig Angst haben zu müssen.

Wie wird die Ablation als endgültige Behandlung des WPW-Syndroms durchgeführt?

Obwohl Medikamente Herzrasenanfälle wirksam unterdrücken können, beseitigen sie die Erkrankung nicht vollständig. Die dauerhafte Heilung des WPW-Syndroms erfolgt durch eine interventionelle Behandlung, die als Katheterablation bezeichnet wird. Dieser Eingriff wird ohne Eröffnung des Brustkorbs vollständig minimalinvasiv in speziell ausgestatteten elektrophysiologischen Laboren durchgeführt. Über Venen oder Arterien in der Leistengegend werden haarfeine flexible Katheter bis in das Herz vorgeschoben.

Die elektrische Aktivität im Herzen wird millimetergenau kartiert und die zusätzliche störende Leitungsbahn lokalisiert. Anschließend wird genau an dieser Stelle Energie abgegeben, wodurch die Leitungsfähigkeit dieses kleinen Gewebebereichs dauerhaft ausgeschaltet wird. Hierfür werden heute hauptsächlich zwei Energieformen verwendet:

  • Radiofrequenz
  • Kryoablation

Bei der Radiofrequenzablation wird über die Katheterspitze hochfrequente Energie abgegeben, wodurch das Gewebe erhitzt und gezielt zerstört wird. Diese Methode weist eine sehr hohe Erfolgsrate und dauerhafte Wirksamkeit auf. Liegt die zusätzliche Leitungsbahn jedoch sehr nahe am lebenswichtigen normalen Reizleitungssystem des Herzens, besteht das Risiko, dass auch gesundes Gewebe unbeabsichtigt geschädigt wird.

Genau in dieser Situation kommt die deutlich sicherere Kryoablation zum Einsatz. Über die Katheterspitze wird ein spezielles Gas abgegeben, wodurch das Zielgewebe auf etwa minus dreißig Grad Celsius abgekühlt wird. Während dieser ersten Kühlphase wird die elektrische Leitungsfähigkeit des Gewebes vorübergehend unterbrochen. Stellt sich heraus, dass die falsche Stelle behandelt wird oder das normale Leitungssystem beeinträchtigt wird, wird der Eingriff sofort beendet. Das Gewebe taut innerhalb weniger Sekunden wieder auf und nimmt seine normale Funktion vollständig ohne bleibende Schäden wieder auf. Erst nachdem bestätigt wurde, dass die richtige Stelle behandelt wird, wird die Temperatur weiter abgesenkt und die endgültige Vereisung durchgeführt. Dank dieses hervorragenden Sicherheitsmechanismus konnte das Risiko von Komplikationen, die einen dauerhaften Herzschrittmacher erforderlich machen würden, nahezu auf null reduziert werden.

Wie verläuft die Erholungsphase nach einer WPW-Ablation?

Nach einer erfolgreichen Ablation werden ausführliche Untersuchungen wiederholt, um sicherzustellen, dass sich keine weiteren verborgenen Leitungsbahnen im Herzen befinden. Nachdem bestätigt wurde, dass alles in Ordnung ist, werden die Katheter entfernt und die Einstichstellen in der Leiste mit leichtem Druck versorgt, um Blutungen zu verhindern. Die Kinder bleiben nach dem Eingriff in der Regel lediglich eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus und können bereits am nächsten Tag entlassen werden.

Während der ersten Woche bis zehn Tage nach der Entlassung sollte auf schwere körperliche Belastungen verzichtet werden, damit die Einstichstelle in der Leiste vollständig verheilen kann. Kinder, bei denen die Ablation erfolgreich war und bei den Nachkontrollen kein Rückfall festgestellt wird, müssen keine lebenslangen Medikamente mehr einnehmen. Da sich keine gefährliche zusätzliche Leitungsbahn mehr im Herzen befindet, können sie ohne Einschränkungen aller körperlichen Aktivitäten sicher als gesunde Kinder in die Schule, zu ihren Freunden und zu jeder gewünschten Sportart zurückkehren.

Häufig gestellte Fragen

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW) ist eine Herzrhythmusstörung, die durch eine zusätzliche elektrische Leitungsbahn im Herzen entsteht. Dadurch kann das Herz deutlich schneller als normal schlagen.
Zu den häufigsten Symptomen gehören Herzrasen, Schwindel, Atemnot, Beschwerden im Brustbereich, Schwäche sowie plötzlich auftretende schnelle Herzschläge. Bei manchen Betroffenen treten jedoch über lange Zeit keine Beschwerden auf.
Ja, das WPW-Syndrom kann bereits im Kindesalter oder während der Pubertät auftreten. Manche Fälle werden zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt, während andere durch Herzrasenanfälle auffallen.
Ja, das häufigste Symptom des WPW-Syndroms sind plötzlich einsetzende und ebenso plötzlich endende Herzrasenanfälle. Die Herzfrequenz kann dabei deutlich ansteigen und die Betroffenen verspüren einen sehr schnellen Herzschlag.
Die wichtigste Untersuchungsmethode ist das Elektrokardiogramm (EKG). Zusätzlich können ein Langzeit-EKG, ein Belastungstest und bei Bedarf elektrophysiologische Untersuchungen durchgeführt werden, um die zusätzliche Leitungsbahn genauer zu beurteilen.
Bei vielen Patienten verläuft die Erkrankung gutartig, bei einigen können jedoch schwerwiegende Herzrhythmusstörungen auftreten. Deshalb sollten Patienten mit dieser Diagnose regelmäßig von einem Kardiologen kontrolliert werden.
Ja, während schneller Herzrhythmusstörungen können Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen oder Ohnmachtsanfälle auftreten. Insbesondere Patienten mit Bewusstseinsverlust sollten umfassend untersucht werden.
Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden des Patienten und den Eigenschaften der Herzrhythmusstörung. Neben einer medikamentösen Therapie kann bei geeigneten Patienten die zusätzliche Leitungsbahn durch eine Katheterablation dauerhaft beseitigt werden.
Die Katheterablation gilt heute als Behandlungsmethode mit sehr hohen Erfolgsraten beim WPW-Syndrom. Dabei wird die zusätzliche elektrische Leitungsbahn gezielt lokalisiert und dauerhaft ausgeschaltet.
Bei Verdacht auf ein WPW-Syndrom sollte ein Facharzt für Kardiologie aufgesucht werden. Bei Kindern wird die Diagnostik und Behandlung von Fachärzten für Kinderkardiologie durchgeführt.
Güncellenme Tarihi: 31. Juli 2026

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